
2 Wirkstoffdesign
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2 Wirkstoffdesign
Am Anfang fast aller Prozesse in biologischen Systemen steht die wechselseitige
molekulare Erkennung. Bis auf wenige Ausnahmen interagieren fast alle heute
bekannten Arzneistoffe mit einem makromolekularen Ziel über spezifische
Bindungsstellen. Die Affinität eines solchen Wirkstoffes zu einer makromolekularen
Zielstruktur wird häufig als Maß für die Charakterisierung der biologischen Aktivität
dieser Substanz verwendet.
Erstmals wurden solche Ansätze vor mehr als 100 Jahren durch Emil Fischers
Schlüssel-Schloss-Prinzip erkannt.
[181]
Während dieses Modell das puzzleartige
Zusammenfügen von zwei starren molekularen Geometrien beschreibt, geht man
heute vielmehr von einer induzierten Anpassung von Ligand und Protein aus. Bei
dieser induced fit genannten dynamischen Erkennung werden in Abhängigkeit von
der Zeit viele molekulare Wechselwirkungen zwischen verschiedenen
Konformationen des Liganden und Proteins ausgebildet bis sich schließlich ein
stabiler, nicht notwendig der stabilste Protein-Ligand-Komplex bildet. Dieses von
Daniel E. Koshland 1958 postulierte Modell
[182]
verdeutlicht, dass neben der
molekularen 3D-Struktur auch noch weitere Dimensionen wie Zeitachsen (z.B.
Reaktionsabläufe oder Dynamiken) oder mit dreidimensionalen Raumpunkten oder
Flächen verknüpfte molekulare Eigenschaften (Oberflächenpotentiale,
Wasserstoffbrückenbindungen) eine weitere und bedeutende Rolle spielen.
Das Verständnis von Protein-Ligand-Wechselwirkungen ist zusammenfassend von
fundamentaler Bedeutung für die Medizinische Chemie und speziell für das
Wirkstoffdesign. Die Erforschung der Zusammenhänge zwischen molekularer
Struktur und biochemischer Wirkung bestimmt die Methodik der modernen
Arzneimittelforschung. Molekularbiologische Verfahren zielen darauf ab, gestörte
Aktivitäten von Rezeptoren als Ursache von Krankheiten zu identifizieren, sowie
diese Proteine zu isolieren und zu analysieren. Wie im vorangegangenen Kapitel
bereits beschrieben wurde, konnten so für die Alzheimersche Krankheit
verschiedenste Proteine und Enzyme identifiziert werden, die für das Entstehen der
Krankheit verantwortlich gemacht werden. Aufgabe des Wirkstoffdesigns ist es nun,
durch geometrische und chemisch komplementäre Anlagerung kleiner Moleküle die
gestörte Aktivität eines Proteins zu verändern. Um den Prozess molekularer
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